5. Juni 2009

Web 2.0 - Licht und Schatten


Kannst Du Dich an Deinen ersten Besuch im Internet erinnern?
Wie hast Du Deinen ersten Ausflug in die virtuelle Welt empfunden?
Was hat sich in Deinem Alltag durch das www verändert?
Wie nutzt Du das millionenfache Angebot an Information und Kommunikation?

Ich kann mich noch ganz genau an meinen erste "session" in den unermesslichen Weiten des Internet erinnern. Vor etwa dreizehn Jahren leistete ich mir einen gebrauchten Rechner (ich glaube die Festplatte hatte die damals gigantische Größe von 2 MB) um meine Leidenschaft fürs Schreiben zu pflegen.
Kurz darauf schwärmte mir eine Freundin von Ihren Surf-Touren im Internet vor ...und schon bald war auch ich eine stolze Besitzerin eines Modems. Mit ein wenig rumprobieren und eiserner Konzentration gelang es mir nach ein paar mühevollen Stunden das "Ding" mit meinem Telefon zu verkabeln. Den Zugang zum Internet erhielt ich über eine CD von AOL, die simpel genug war, sich von mir installieren zu lassen ;-). Mein Modem pfiff und zwitscherte ein bisschen (kennst Du das Geräusch?) - und dann war ich online.

Ich hatte keine Ahnung was ein Browser (vielleicht was zum Duschen?) ist...und wusste auch nicht wie man ihn benutzt.
...und während ich zaghaft und vorsichtig bei meinen ersten Gehversuchen herumklickte, sprang urplötzlich ein neues Fenster auf meinem Bildschirm auf:
"Hi, wie gehts Dir, was machst Du?"
erschien plötzlich die Schrift eines wildfremden Menschen auf meinem Screen.
Zu Tode erschrocken (ich erinnere mich, dass meine Hände vor Aufregung zitterten) konterte ich mit einem Schwall von Gegenfragen: "WER BIST DU? ...und was willst Du in meinem Wohnzimmer? Wie kommst Du hierher?...kannst Du mich auch sehen?"

Ich hatte Glück.
Mein erster Chatpartner war ein "erfahrener User" und nahm sich ein wenig Zeit, um mir in unserem ersten Tele (so hieß das damals bei AOL) einige grundsätzliche Funktionen und die Anwendung von Suchmaschinen online zu erklären.

Viel Zeit ist vergangen - und viel hat sich verändert.

Damals empfand ich das Internet als Tür zur großen weiten Welt (meine eigene war zu diesem Zeitpunkt recht eng und klein).
Es gab nur sehr wenig Spielregeln (z.B. die Nettiquette) und auch Abmahnungen und Vertreter von Rechtsansprüchen hielten sich in überschaubaren Grenzen.
Wenn ich mich in einer Gruppe oder einem Forum anmeldete, dann allein deshalb, weil mich die Thematik interessierte und ich mich darüber austauschen wollte. Schon seit damals verwende ich meinen Spitznamen "Gabaretha" und habe vermutlich unzählige Spuren im www hinterlassen.

Heute ist alles ganz anders:
Selbstdarstellung, personal branding und raffiniertes Marketing sind brisante Themen, die derzeit das Internet mit Inhalten füllen.
Das Netz ist übervoll von Tipps und Tricks, um gezielt eine Marke "ICH" zu erschaffen und zu publizieren. (Falls Du das brauchst findest Du hier ein gutes Tutorial).
Netzwerk, affilliate marketing und das geschickte Bewerben der eigenen Ware oder Dienstleistung steht im Zentrum. Der eigene Wert wird nach Zahl der Kontakte und Ranking bemessen.
Im Web 2.0 geht es um geschickte Verlinkung und werbewirksame Botschaft der eigenen Geschäftsinteressen. Business, Selbstzweck, Suchmaschinenranking und Wettbewerb heißt die Devise. Blogs und Twitter werden systematisch mit Inhalten befüllt, anstatt als das benutzen, was sie wirklich sind: Eine wundervolle Plattform, die Dir die Möglichkeit schenkt Dich auszudrücken, um Dein Wissen und Deine Erfahrung mit anderen Menschen zu teilen.

Ein netter Mensch?
Ein wertvoller Gedanke?
Wer hat denn dafür Zeit?

Meine Meinung:
Alles was gut ist kann auch ins Gegenteil verdreht werden.
Ich liebe das Internet mit all seinen wertvollen Informationsquellen und unbegrenzten Kontaktmöglichkeiten, möchte mich aber ganz deutlich von Menschen abgrenzen, die dieses wunderbare Medium ausschließlich für Werbezwecke und zum Verkaufen nutzen wollen.
Ich bin dankbar für jeden Gedanken und jedes Wort, das Du mir schenkst und genieße all die schönen Bekannt- und Freundschaften, die sich über das Internet für mich entwickelt haben.

Mein Tipp:
Wähle Deine Bekanntschaften und Freunde (online wie auch offline) nach Sympathie und Gefühl aus. Schiele nicht nach dem "Verlinkungs-Wert" Deiner Online-Kontakte.
Behalte in Deinen Gedanken, dass ein Mensch auf der anderen Seite des Bildschirms sitzt und bleib menschlich.
Auch im Internet zählt: "zum Wohle aller Beteiligten!"
Nutze Deine Zeit gewinnbringend, um Dich weiter zu entwickeln und Deine Persönlichkeit wachsen zu lassen, dann wirst Du sicher bald eine "Marke" mit echtem Inhalt, die keine künstlichen Vermarktungsstrategien braucht.
Wie immer hast Du die Wahl und kannst Deine persönlichen Entscheidungen treffen.
...und Deine Entscheidung von heute gestaltet Dein Leben von morgen.

Mach das Beste aus Deinem Leben!

Ich wünsche Dir (und auch mir) viele schöne Kontakte, die uns weiterhin so viel Freude machen - online und auch offline.
Besser und besser,
Gaba

Kommentare:

Karrierebibel hat gesagt…

Danke fürs Verlinken. Den Kommentar dazu hab ich heute erst zufällig in meinem Spam-Ordner entdeckt. Keine Ahnung, wie du da gelandet bist...

Ja, natürlich: Wo Licht ist, da gibts auch Schatten. Aber alles in allem sehe ich mehr Licht, mehr Chancen als Risiken. Was nicht heißt, dass die Risiken nicht da sind und dass man vorsichtig sein muss. Aber richtig genutzt, ist Personal Branding sicher ein Muss für die kommende Generation - wenn nicht schon für diese.

Gabaretha hat gesagt…

Vielen Dank für Deinen Besuch und auch dafür dass Du mich aus Deinem Spam Ordner befreit hast. ;-)
Ich bin begeisterte Leserin in Deinem Blog und finde es wundervoll, dass Du täglich vielen Menschen Tipps und Tricks schenkst, um ihren Wunsch nach Business und Karriere zu erfüllen.
Was allerdings das Licht und den Schatten beim personal branding angeht, haben wir verschiedene Blickwinkel. Ich sehe aus meiner Erfahrung als Entspannungstherapeutin eine Gefahr für Gesundheit und Wohlgefühl und (daraus resultierend) auch für die Leistung.
...und mal ganz offen gefragt: Wünschen wir uns wirklich eine Gesellschaft in der EGO und Selbstdarstellung noch mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rutschen?
Ich finde dass "Elbogen" schon lange out ist - und entsprechende Resultate schmerzfrei, elegant und vorteilhaft durch eigene Gedanken, Worte und Taten gestaltet werden könnten. Die Marke "ICH" entsteht quasi automatisch, wenn der Glaubenssätze, Motive und Persönlichkeit stimmig sind.

Sonnige Grüße aus dem nächtlichen Isartal,
besser und besser,
Gaba

Ramin hat gesagt…

Hallo Gaba,

ich denke Web2.0 ist ein weiteres Mittel sich auszudrücken. Manche Leute werden es fehlgeleitet nutzen, andere produktiv.
Blasen haben ja die Eigenschaft zu platzen wenn sie allzu prall werden, insofern denke ich wird sich das mit der Zeit auch von selbst regulieren.
Ich sehe Personal Branding als die "Verpackung". Die Verpackung muss so ansprechend sein, dass zumindest bestimmte Leute dem Inhalt mal eine Chance geben und es ausprobieren - aber dann zählt das was innen drin ist. Wenn der Geschmack fade ist, und der Verzehr zu Durchfall führt, hilft auch eine Verpackung nicht weiter. Wie Du sagst - wenn Worte, Gedanken, Taten übereinstimmen (Gibt es da nicht ein Ghandi Zitat zum Thema Glück?), dann entsteht die Marke "Ich" quasi automatisch.

Hast Du einen konkreten Tipp zum Umgang mit Web2.0 aus Deiner Sicht als Entspannungstherapeutin?

Ich habe vor kurzem mal einen "web2.0" Tag gemacht - und das war überhaupt nicht entspannend. Ich beschrieb das so: "Mein Gehirn ist im Rührei-Status" :-)

Viele Grüße,
Ramin

Gabaretha hat gesagt…

Lieber Ramin,
vielen Dank für Deine Meinung.

Auch ich glaube, dass alle "Blasen" irgendwann platzen werden, die künstlich gepusht wurden. Für diese Vermutung haben wir sogar täglich sehr anschauliche Beispiele - nachzulesen im Wirtschaftsteil jeder Tageszeitung.

Aus meinem Blickwinkel sehe ich die Geschichten der einzelnen Menschen, die in einer solchen Blase wohnen.

In der Arbeitswelt (zumindest hier in Deutschland) sind Stress und Hektik sehr verbreitet.
Tägliches Pflegen der Marke ICH schafft neue Aufgaben und Verpflichtungen - und trägt zur Erhöhung des Stresspegels bei.
...und jetzt lass uns bitte mal die "Spielregeln" des universellen Gesetzes der Anziehungskraft ein weniger unter diesem Gesichtspunkt betrachten:
1. Sehen was ist (dazu ist meist eine entspannte Grundhaltung erforderlich).
2. Sinnliche Vorstellung der eigenen Wünsche (geht nach meiner Ansicht auch nur, wenn Du Dich entspannen kannst)
3. Loslassen (geht gar nicht, wenn täglich die Marke ICH große Aufmerksamkeit und täglichen Einsatz erfordert)
4. Vertrauen und Freude (auch das ist unter Zeitdruck nur schwierig zu empfinden).

Eine ganz wesentliche Ursache für meine Bedenken ist das Leben im hier und jetzt. Viele Menschen erhoffen sich für die Zukunft bessere Chancen durch das Gestalten und Pflegen der Marke ICH - und vergessen dabei leider den Tag zu leben und zu genießen.
...und wie wir ja wissen sind die Gedanken, Worte und Taten von heute entscheidend für die Ereignisse und Ergebnisse von morgen...

Wie denkst Du darüber?
Vielen Dank, dass Du meine Gedanken liest und Deine mit mir teilst.

Viele liebe Grüße aus dem nasskalten Isartal,
besser und besser,
Gaba

andrea2007 hat gesagt…

Liebe Gaba, da führst Du mich tatsächlich in meine Internet-Anfänge zurück. Ich kann mich noch gut erinnern, den Computer brauchte ich für die Buchhaltung für unser Geschäft und ich hatte lauthals verkündet, ich bräuchte kein Internet. Nun, das hat nicht lange angehalten, nach kurzer Zeit musste ein Modem her, nachdem ich anfangs oft mit der Hotline telefonieren musste, musste der Elektriker einen digitalen Anschluss montieren usw. das Übliche halt:-)

Und dann sass ich endlich da, die Startseite geöffnet und konnte loslegen und rumsurfen... äh, ich hatte keine Adressen, keine Ahnung, von Suchmaschinen noch nie was gehört... WAS sollte ich denn aufrufen? Das war wie eine kalte Dusche, als ich hörte, man müsse die genaue Adresse einer Seite kennen, um sie aufzurufen:-)

Das ist lange her und mittlerweile ist das Netz ein sehr wichtiger und völlig selbstverständlicher Teil meines Lebens.

Ich bestelle sehr viel im Netz, vor allem Bücher und Reisen, weil das Angebot hier vor Ort da eher mager ist. Ich druck mir online Visitenkarten, ich hole mir Informationen, habe meinen Ausbildungsort für NLP dort gefunden, pflege meinen Blog mit Liebe und auch die wunderbaren Kontakte, die damit entstanden sind, ich bin in Netzwerken wie Xing und Facebook und pflege dort (und per Mail) Kontakte mit Menschen, die ich leider nicht so oft live treffen kann.

Durch die etwas isolierte Lage meines Wohnortes ist das Netz für mich besonders wichtig und nicht mehr wegzudenken. Ich denke, es wäre ein wenig weniger wichtig, aber doch immer noch ein fester Bestandteil, wenn ich in einer Stadt wohnen würde, in der mehr Angebot vorhanden ist.

So ist das Netz für mich ein Mix aus privatem und geschäftlichem, wie alles im Leben optimalerweise in "gesunder" Balance und wenn mir das bewusst ist,hab ich jederzeit selber in der Hand.

Allerliebste Grüsse
Andrea

Gabaretha hat gesagt…

Liebe Andrea,
vielen Dank für Deine Gedanken und Erinnerungen.
Auch ich empfinde das Internet als wahren Schatz an Wissen und phantastische Möglichkeit, gute neue Kontakte zu knüpfen und bewährte Bekanntschaften zu pflegen. Dank Internet wird die Welt irgendwie zum Dorf und es spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, wie weit entfernt mein "Gesprächspartner" wohnt.
Wie Du bestimmt weißt, vertrete ich die Meinung, dass wir Menschen alle miteinander verbunden sind...und das Internet trägt nach meiner Auffassung dazu bei, diese Verbindungen in der objektiven, physikalischen Welt zu stärken.

Sehr nachdenklich macht mich allerdings, was manche Menschen aus diesen wundervollen Möglichkeit machen.
Eine Plattform zur Selbstdarstellung mit Menschen, die ausschließlich das EGO in den Vordergrund stellen scheint mir wenig wünschenswert.
Wo Licht ist, gibt es eben auch immer Schatten.
...und wie auch im "richtigen Leben" haben alle Menschen die freie Wahl, wie sie dieses herrliche Medium nutzen und einsetzen wollen.

Ich freue mich riesig, wenn ich in Deinem Blog und hier in den Kommentaren von Dir lesen darf und finde es wunderschön, dass wir auf diese einfache Weise auch in der "objektiven Ebene" verbunden sein können.
Supersonnige Grüße aus dem bedeckten Isartal,
besser und besser,
Gaba

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