9. Oktober 2011

Burnout Syndrom: Alkohol - und irren ist menschlich!

Burnout ist bekanntlich nicht neu.
Neu ist allerdings, dass sich die Öffentlichkeit für dieses Thema interessiert.
Die Schlagzeilen der Presse haben (endlich!) das öffentliche Interesse geweckt.
Prominente sind ebenso betroffen, wie Hausfrauen, Studenten oder ganz "normale" Arbeitnehmer.

Dank meiner beruflichen Tätigkeit interessiere und arbeite ich schon viele Jahre an diesem Thema und habe festgestellt, dass es (auch in Presse und Fach-Diskussionen) viele Irrtümer und Annahmen gibt, die eine korrekte Behandlung oder Heilung schwierig oder gar unmöglich machen.
Deshalb möchte ich meine Erfahrungen mit Dir teilen.

Die Ursachen und Wirkungen, die ein Burnout Syndrom mit sich zieht, (z.B.: Depressionen, Ängste oder auch körperliche Beschwerden) wurden (und werden!) leider oft irrtümlich als ein einzelnes Symptom zu einer eigenständigen "Diagnose" verarbeitet.

Ist Herr X wirklich depressiv, weil er sich niedergeschlagen und traurig fühlt?
Trinkt ein Alkoholiker tatsächlich nur, weil er süchtig nach Alkohol ist?

Ist es nicht viel häufiger so, dass der Alkohol ihm für ein paar Stunden hilft, psychische Beschwerden zu verdrängen? (Kompensation?).

Reales Beispiel aus meiner Praxis:

X kommt zu mir, weil er von seiner Familie dazu gedrängt wird, sich wegen eines "Alkoholproblems" Hilfe zu holen. Er trinkt manchmal zwei Wochen keinen Tropfen...und "stürzt dann irgendwann ab" (Originalton). In der Realität sieht das dann so aus, dass er sich für ein komplettes Wochenende hemmungslos betrinkt .
Abgesehen von möglichen Gesundheitsschäden  bedeutet das für die Familie viel Kummer und Leid.
Der Papa "rastet nämlich aus", wenn Ehefrau oder Kids in diesem Zustand versuchen, mit ihm zu sprechen.
Natürlich war er schon beim Arzt. Er erhielt ein Beruhigungsmittel und einige Adressen für Vereinigungen, die sich mit dem Thema Suchterkrankung beschäftigen.

Im Erstgespräch fand ich heraus, dass X sich häufig unglücklich fühlt, weil er sich mit Beruf und Familie (zwei Kinder 7 +11) belastet und wie "angekettet" fühlt. Aus seinem Blickwinkel sind in diesem Augenblick nur die Pflichten und Belastungen seines Lebens sichtbar. Die Freude, die das Heranwachsen von zwei Kindern schenken kann, ist ihm in diesem Moment gar nicht bewusst.
Während seiner "Abstinenz" hat er das Gefühl, dass der Druck in ihm stetig steigt, und mit einem "Sauf-Wochenende" versucht er sich dann wieder zu entladen. Das Gefühl, das nach so einem alkoholisierten Wochenende übrig bleibt, heißt Scham und Schuld.
Klar, dass dadurch wieder neuer und größerer Druck entsteht!

Meine Meinung:
X versucht die Erwartungen, die an ihn gestellt werden zu erfüllen, und hat sich (als einzigartigen Menschen) darüber total vergessen. Der Alkoholmissbrauch ist in diesem Fall ausschließlich ein Mittel zur Verdrängung. Mit benebelten Gedanken sieht seine Welt plötzlich ganz anders und viel bunter aus.
Ebenso wie seine Wünsche und Ziele verdrängt X auch während der "nüchternen Phase" seine Gefühle. Er versucht während dieser Zeit die Rolle eines "zufriedenen" Ehemanns und fürsorglichen Vaters zu spielen.

Meine Lösung:
Entspannung hilft immer!
Nach einer halben Stunde auf der Alpha-Ebene fühlt sich X gut. Er hat durch Imagination und Visualisierung viele sinnliche Erfahrungen gemacht, die er im "reallife" so schnell und unkompliziert nicht hätte erleben können. Er sagt, dass er gar nicht wusste, dass so viele Gefühle in ihm sind...und hat jetzt den Wunsch, das schöne Gefühl der Entspannung bald wieder zu erleben.

Ist X jetzt geheilt?
Natürlich nicht.
Das wäre zu schön.
X braucht weiterhin Entspannung und kann durch die positive Wirkung los lassen und sein Leben aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Wenn der innere Druck sinkt, kann er seinem Alltag wieder schöne Seiten abgewinnen.
Ein liebevoller Blick seiner Frau? ...ist ihm sicher, weil sie die angenehme Veränderung an ihm bemerkt.
...und er? Er kann sich wieder besser auf seine Kinder einlassen. Ein gemeinsamer Ausflug und etwas Fußball spielen im Garten, machen ihm plötzlich wieder Freude, weil er es nicht mehr als "Pflichtprogramm" empfindet, ein wenig Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Dadurch sieht der Alltag wieder viel schöner aus.
Die Energie folgt (auch in diesem Fall) der Aufmerksamkeit.
Verständnis, Liebe und Aufmerksamkeit
... sind die "Medikamente",  die X den Wert seines täglichen Lebens fühlen lassen.

...und was hat das überhaupt mit Burnout zu tun?
Nach meiner Auffassung befindet sich X in dem schleichenden und oft unerkannten Prozess eines Burnout Syndroms. Er konnte schlecht schlafen, war nervös und gereizt und hatte "keine Lust zu nix".

Gefühle, die ausgeblendet, kompensiert und verdrängt werden, verschwinden nicht einfach und auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen des Unbewussten.
Sie fordern sehr oft einen hohen Tribut.
Die guten Gefühle bleiben schnell auf der Strecke, wenn das Leben sich nur noch um Verpflichtung und äußere Umstände dreht.

Einen Tipp?
...kann ich Dir in diesem Fall leider nicht geben.
Wenn Du in einer belastenden Krise steckst, dann bitte such nach einer für Dich geeigneten Hilfe.
Zur Vorbeugung hilft Entspannung, ebenso wie in der Therapie. Aber wenn "das Kind schon im Brunnen liegt", schafft es nur selten, wieder ohne fremde Hilfe herauszukrabbeln.

Für Interessierte habe ich auf einer neuen Website noch einmal meine "Erkenntnisse" über Früh-Warnzeichen und Alarmglocken des Burnout Syndroms aufgeschrieben.
...und auch interessierte Arbeitgeber finden hier ein Angebot, das zum Wohle aller Beteiligten besser nicht ablehnen sollten ;-).

Ich wünsche Dir viel Liebe, Verständnis und Aufmerksamkeit ...und ein entspanntes Lebensgefühl, das Dich aus unterschiedlichen Blickwinkeln schauen lässt,
besser und besser,
Gaba

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

liebe Gaba,

Entspannung ist immer gut --- das glaube ich auch.
Doch wenn x ein ernsthaftes Alkoholproblem hat,dann kann die Entspannung ihn zwar unterstützen,doch er sollte sich dringend noch andere Hilfe suchen.
zb bei einer Suchtberatungsstelle.

noch einen schönen Tag
lilifee

Gabaretha hat gesagt…

Liebe lilifee,
ganz richtig! Zur Entspannung bedarf es noch weitere Hilfe.
Zum Beispiel in Form von therapeutischen Gesprächen, Strategien und vor allem Aufmerksamkeit, Liebe und Vertrauen.
Die Grundlage, die dies alles erst möglich macht, ist eine entspannte Grundeinstellung.
Da ich ja Heilpraktikerin bin, bekommt X die weitere Hilfe natürlich auch ;-)
Vielen Dank für Deine Gedanken und viele liebe Grüße aus dem Isartal,
besser und besser!
Gaba

Ray Gratzner hat gesagt…

Liebe Gaba,

das war jetzt mal spannend einen Fall aus der Praxis zu lesen, den Du hier für mcih verständlich strukturiert vorgetragen hast.

Viel Erfolg bei den FolgeTerminen....

Liebe Grüße Rainer

Gabaretha hat gesagt…

Vielen Dank lieber Rainer, für Dein wertschätzendes feedback ;-)
Tatsächlich fand der erste Besuch von X schon vor etwa sechs Monaten statt. Er hat sich mittlerweile gut erholt und es geht ihm "besser und besser"...und ich freue mich, dass er sich wieder auf sein Leben und seine Familie einlassen konnte.
Ich sags ja: ich habe den schönsten Beruf der Welt!
Viele liebe Sonnengrüße aus dem schon finsteren Isartal,
besser und besser,
Gaba

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